Haus der Geschichte, Bundesbüdchen und der ehemalige Bundesrat

Was gibt es Interessanteres als die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts? Kaum etwas! Und wo kann man sich besser in sie einfühlen? Am Ort des Geschehens natürlich!

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Und so stand die Planung unserer Exkursion relativ schnell. Wir, der Geschichtskurs der MSS 12 und ich machten uns am 10. Juni 2026 auf den Weg nach Bonn. Ohne nennenswerte Verspätung der Deutschen Bahn!
Den Vormittag studierten wir die hunderte, liebevoll arrangierten und zur Mitarbeit einladenden Materialien, Quellen, Filme, Fotos und Alltagsgegenstände, die das komplett überarbeitete und erst im Dezember 2025 wiedereröffnete Haus der Geschichte anbietet. Die zwei Stunden, die dafür vorgesehen waren, vergingen viel zu schnell. Gerne hätte man sich länger mit einer Quelle beschäftigt, gerne noch länger das Gespräch zu einem der vielen Themen, die die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts bietet, geführt. 
Die Mittagspause verbrachten wir dann bei strahlendem Sonnenschein im Regierungsviertel, wo ein Symbol der deutschen Nachkriegsgeschichte lockte: das Bundesbüdchen. Hier, in Sichtweite der Bauten von zentralen Institutionen der Bundesrepublik, wie dem „Langen Eugen“ oder dem Kanzlerbungalow, konnte man sich stärken und die Eindrücke vom Vormittag sortieren.
Das Ziel für den nachmittäglichen Workshop lag gleich um die Ecke: Das heute Bundeshaus genannte ehemalige Gebäude des Bundesrats. Er tagte in dem historischen Bau bis zum Sommer 2000 und strahlt die Aura von Wirtschaftswunder, bescheidener Souveränität der jungen Republik und Etablierung der Demokratie in der Bundesrepublik aus. Angeleitet von einer Mitarbeiterin des Hauses der Geschichte begannen wir einen zweiteiligen Workshop im Plenarsaal des ehemaligen Bundesrats. 
Zunächst stand die Erarbeitung und Verabschiedung des Grundgesetzes, das hier im April 1948 verabschiedet wurde, im Mittelpunkt. In Gruppenarbeit setzte sich der Kurs mit Fragen zu diesem so wichtigen Thema auseinander.
Der zweite Teil war in Form eines Rollenspiels organisiert. Auf Vorschlag der kurzfristig einberufenen „Bundesministerin für Bildung“, Anna-Lena Wolff, setzten wir, die kurzfristig einberufenen Vertreter der Bundesländer, uns mit dem Gesetzesvorschlag der „Ministerin“, das Schulsystem in der BRD zu vereinheitlichen und zentralisieren, auseinander. Unter der Leitung der „Bundesratspräsidentin“, Thanh-Thao Nguyen, die die Sitzung vom Präsidentenpult herab leitete, debattierten wir am historischen Ort des Bundesrats dieses Thema. Der Plenarsaal blieb nach der letzten Sitzung im Originalzustand. Selbst der rückenfreundliche Sessel, den bei der letzten Sitzung des Bundesrats die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis benötigte, ist noch an Ort und Stelle. Der Vorschlag der „Bundesregierung“ fand große Zustimmung und konnte mit großem Stimmenvorsprung angenommen werden. Dass damit eine zentrale Schnittstelle der bundesdeutschen Gesetzgebung praktisch erprobt wurde und die anderen Stationen dieses Verfahrens erklärt wurden, veranschaulichte sehr nachhaltig die Abläufe in einer demokratisch-repräsentativer Demokratie.

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Da kam es uns recht, dass der Zug für die Heimfahrt eine halbe Stunde Verspätung hatte. Denn so konnte man auf dem Bahnsteig die vielen Eindrücke des Tages sortieren und dann müde in die Sessel unseres Waggons fallen.

Text und Fotos: Rainer Feige

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